Prizzi ist als Krüppel in Venedig zur Welt gekommen, durch den Versuch seiner Mutter, ihn ab zu treiben. Sie hatte sich am Campo S. Maria Nova vom Sohn der herrschaftlichen Familie, PRIZZI verführen lassen. Dieser hatte am Campiello de Miracoli eine eigene Wohnung für genau diese Zwecke eingerichtet.
Prizzi wurden 80% Behinderung zu gesprochen. Seine linke Gesichtshälfte war verunstaltet, deshalb trug er ständig eine Kapuze, die nur sein rechtes Gesicht sehen ließ. Er war fast kleinwüchsig und stotterte. weiterlesen
Als er 7 war, nahm seine Mutter sich aus Scham über ihr Unglück das Leben. Doch Prizzi hatte den Intellekt eines Prizzis. Er wollte sich nicht mit seinem Schicksal abfinden. Niemals. Er lebte von einer kleinen Rente. Doch betteln wollte er nicht. Nachts legte er sich auf einer Parkbank, um morgens den Geruch der Mädchen, die zur Schule eilten, zu riechen. Diesen verführerischen Duft nach Süße und Verheißung. Er lebte in einem kleinen Keller, wo es nach Moder und Fäulnis roch. Den hatte seine Mutter ihm hinterlassen. Das war ihre Erbschaft.
Prizzi bewarb sich als Müllarbeiter. Doch durch seine Körpergröße bedingt, konnte er kaum über den Mülltransporter schauen. So nahm man ihn aus Mitleid. Er schuftete wie für zwei. Er hatte nur einen Freund auf dem Campo S. Maria Nova, einen herrenlosen Hund. Das war genau so ein Bastard wie er. Er spielte mit einem alten Latschen, den ein Obdachloser dort verloren hatte. Das war sein einziger Freund. Bis jetzt. Später sollte sich das radikal ändern, denn Prizzi wollte sein Karma bestimmen. Nicht das Karma ihn…
Er vermietete sich als Trauernder, wenn hinter den Särgen, die durch Venedig geschoben wurden, sich keine Trauernden fanden. Auch konnte er auf Anhieb weinen. Auf der Totenmesse kam das gut an.
Dann trampte er nach Pamplona zum Stierkampf. Er wollte Stierkämpfer werden. Er rannte morgens gegen die 6 Zentner schweren Stiere und hatte keine Angst zu sterben. Er fühlte sich gut und forderte unentwegt sein Schicksal heraus. Es wurde eine Obsession von ihm. Die Nähe zum Tod. Man nahm ihn aus Mitleid, weil ein berühmter Stierkämpfer ihn in sein Team aufnahm. Er wurde Novellero. Er bekam Spaß am Leben und wurde vergnügt wie noch nie. Dann starb der Stierkämpfer an einer tödlichen Verletzung in der Arena und Prizzi pflegte ihn bis zu seinem Ende. Hier lernte er fast alles. Alles über schöne Frauen und wie man sie zu verführen hatte und über das Leben, denn Prizzi hatte kaum die Schule besucht. Der sterbende Stierkämpfer war ein Hellseher und konnte seine Zukunft voraussagen. Prizzi wurde von diesen Weissagungen schwindlig.
Der Dauer–Slogan des Stierkämpfers: „Das sind doch alles faltenfreie Arschgesichter. Nicht wahr, Prizzi?
Er konnte nicht daran glauben. Hiervor hatte er Angst nicht vor den Tod. Der Stierkämpfer hinterließ ihm ein wenig Geld. Mit dem Geld veranstalte er eine Trauerfeier für den großen Raphaelo. In der Arena, wo er seine größten Triumphe gefeiert hatte. Prizzi nahm Abschied von Paplona. Er mußte weinen.
Niemand hatte ihm soviel anvertraut wie Raphaelo. Er war sein Freund und Vertrauter geworden… Und da war noch seine erste große Liebe Trululu. Die Geliebte von Raphaelo, der nach seiner schweren Verletzung, kein Mann mehr sein konnte.
Zurück in Venezia beobachtet er wie übergewichtige, fette Kinder, eine alte Frau im Rollstuhl in einen Kanal stürzten. Prizzi konnte sie noch retten. Die alte Frau im Rollstuhl war eines der berühmtesten Kurtisanen aus einer verlorenen Zeit. Einer ihrer Verehrer, ein reicher Adliger und Fürst hinterließ ihr seinen Palazzo. Sie war so berühmt, weil sie die weiblichen Verführungen besser beherrschte, als ihr männliches Vorbild Casanova. Sie war elegant und so hübsch, dass man einen Termin mit ihr brauchte. Sie hatte das Privileg sich ihre Liebhaber auszusuchen. Man vergötterte sie und die einflussreichen Männer aus der Politik verkehrten in der Öffentlichkeit mit ihr. Sie hatte eine erstklassige Bildung genossen und eine entsprechende Erziehung. Prizzi sollte im Laufe der Zeit viel davon profitieren.
Später wurde sie das erste OPFER der neuen Pest, die Venedig wie eine Sündflut heimsuchte. Schlimmer als alle Hochwasser-Katastrophen…
Schlimmer als die 7 Todsünden.
Dadurch bekam die internationale Weltpresse davon Wind. Das wurde der Beginn vom Untergang.
Vor allen die Touristen blieben auf Grund dieser Gerüchte aus. Ein Sodom und Gomorrha ohne Beispiel zeichnete sich am Horizont der Lagunen-Stadt ab. Es fing damit an, das die kleinen, süßen Glühwürmchen zu Monstern, in große gefräßige Vögel mutierten. Sie hatten scharfe Schnäbel und glühten in der Nacht. Mühelos konnten sie ganze Türen und Fensterscheiben zertrümmern. Sie aßen mit Vorliebe die Gedärme der Menschen, die sie blutüberströmt zurückließen und hackten ihnen die Augen aus… Ein Horror Szenario. Voller Schrecken und schlimmer als jeder nächtliche Alptraum in der verzweifelnden Stadt.
Die alte Kurtisane erteilte Prizzi unendliche Lektionen über die Liebe und ihre kunstvollen Verführungen, bevor sie an der Pest zu Grunde ging.
Als Kind erinnerte sich Prizzi an eine glückliche Begebenheit mit seiner Mutter. Sie schwammen an einer entlegenen Stelle am Lido. Prizzi sah den Reigen von Plankton im Meer, das hell leuchtete. Wie ein wundervoller Sternenhimmel im Wasser. Er schrie vor Vergnügen. Seine Mutter freute sich mit ihm.
Dann hatte Prizzi einen hellseherischen Traum: Leonardo da Vinci erzählte ihm von seiner Einladung zum Dogen von Venezia. Hier sollte er die Befestigungsanlagen gegen die Türken bauen und die Stadt gegen das Hochwasser abriegeln.
Da Vinci legte seine Pläne vor. Doch der SENAT lehnte ab. Man behandelte ihn mit Geringschätzung. Da Vinci verließ verärgert Venedig…
Prizzi verliebt sich in die gebildete Elenora, die rechte Hand und wissenschaftliche Beraterin vom Oberbürgermeister von Venedig. Sie ist dem Gemälde von Botticelli einer der Grazien sehr nahe. Sie gilt als die hübscheste und gebildetste Frau in Venedig. Ihre Ausstrahlung ist faszinierend. Genau zu dem Zeitpunkt als die Pest ausbricht.
Sie sind ein völlig ungleiches Paar. Doch Prizzi führt sie auf die Spur von Leonardo da Vinci, der vor über 500 Jahren, ein geheimes Dokument über Venedig verfasst hatte. Über die 7 Todsünden der anmaßenden Venezianer und insbesondere des Dogen, de auf Lebenszeit gewählt worden war.
Beide schrecken nicht davor zurück , viele Tage und Nächte in dem geheimen Archiv der Stadt nach zu forschen… Jeder für sich findet und dann doch gemeinsam, schließlich Fragmente eines Dokumentes von Da Vinci verfasst. Als sie es zusammensetzten, ergibt es Sinn….
Durch dieses gefundene Dokument sind sie schließlich in der Lage, Venedig vor der Pest zu retten. Im letzten Moment.
Und durch ihre LIEBE…
Leonardo da Vinci schrieb : Das Böse in Venedig gewinnt Raum durch die Feigheit und Trägheit des Herzens…
Elenora ergänzt : Der Sozialneid der Venezianer auf die Touristenströme in der Lagune verkümmert ihr kreatives Potenzial.
Auf einer eiligst anberaumten Senatssitzung machen sie das zum Leit-Slogan gegen die PEST.
Der Bürgermeister will sie daraufhin in die Wüste schicken. Doch der Senat beauftragt Elenora und Prizzi, diesen Kampf um Leben oder Tod der Stadt zu führen...
COPYRIGHT : Alexander Ziebell, Venedig, den 21.Mai 2009
ENDE